Es zeigt eine besondere Begabung, wenn wir uns viele Namen merken und es uns gelingt Menschen aus unserem Umfeld mit ihren Namen ansprechen zu können.
Wenn wir mit Namen angesprochen werden, fühlen wir uns in unserer Individualität „erkannt“, ernst genommen. Wenn jemand uns mit einem falschen Namen anspricht sind wir betroffen, glauben, der Mensch hat uns verwechselt oder sogar als Person vergessen. Wir waren nicht wichtig genug.
Ein Willkommensein mit der ganzen Person, ein sich persönlich angesprochen fühlen, eine persönliche Aufforderung: Du bist gemeint! Niemand hier im Raum heißt so.
Gerade Menschen mit geläufigen Nachnamen geben oft ihren Kindern ungewöhnliche Vornamen – das Individuell sein wollen, das ist nur unser Sohn, unsere Tochter, die so heißt. - Unverwechselbar.
Und dann bemerken wir, dass dem Kind in der Umgebung derselbe Vorname gegeben wurde: Kinder der Zeit, Kinder derselben Generation.
Wir ersehen, aus welchen Jahrgängen die Menschen sind, oft ist die Glaubenszugehörigkeit am Namen abzulesen.
Sichtbar machen. Das erfreute Lesen des eigenen Namens, das erinnern an unsere Vorfahren, wenn wir „alte“ Namen hören. An Verwandte und Bekannte, liebe Verstorbene. Emotionen - geknüpft an Namen.
Das Befremdet sein durch das Buchstabieren von ungewöhnlichen Vornamen.
Was haben diese Namen mit mir zu tun?
Was haben die Namen von jüdischen Bürgerinnen und Bürger Münchens mit uns tun? Die Namen von ermordeten Juden. Die Namen bekommen eine Verbindung zu den Namen der eigenen Verwandten, es werden "Namen dieser Zeit". Für uns Namen der Geschichte.
Wer kennt die Namen der NSU-Mordopfer? Wir hören von den Tätern und kennen nicht die Namen der Opfer.
Was gehen uns die ertrunkenen Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia an? Wer kennt ihre Namen? Namen unserer Zeit.
Die Namen lesen.
Seinen Namen suchen.
Seinen Namen lesen.
Durch den Namen sein. |