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Seinen Namen finden

Erbe, Triptichon, 2015, 150x300 cm, Assembkage aus Pappe in mehreren Ebenen: Bleistift, Leinölfirnis und vergrößerte Drucke von Seidenstoffen

Das großformatige Triptychon ist mit grauen flächigen, dynamischen Formen komponiert. Dazwischen sind vergrößerte Ausschnitte offensichtlich wertvoller Stoffe zu sehen.

Die hellen und dunkelgrauen Graphitformen sind bei flüchtigem Betrachten abstrakt, allmählich taucehn aber figürliche Anklänge auf. Es sind weit her geholte, archaische Gestalten, die nicht ganz im Hier verhaftet sind und dadurch unantasbar wirken.

Die Oberfläche, das Raue der dzbjekgrazeb Flächen entsteht durch das Auftragen des Farbbreis mit den Händen. Dies verstärt den Gegensatz dieser wie mit Ruß geschwärzten Flächen zu den Vergrößerungen des zarten Stoffes.

Das Bild lebt von diesen Gegensätzen der "häftigen" schwarz-grauen Formen inmitten der seiden-blumigen Stoffkopien. - Alles ist bewegt und unruhig, dem Auge wird kein Ausruhen gegönnt.
Die Fotos des geerbten Stoffes werden als Drucke präsentiert. Der alte, wertvolle Seidenstoff wird mittels digitaler Medien - der Fotografie und des Drucks - zum neuen Detail. Wie zufällig ist der Stoff als Faltenwurf gelegt: Glanz und Gloria, Samt und Seide aus alten Zeiten.

Die gewollte Irritation im Barock zwischen Zwei- und Dreidimensionalität klingt an - verstärkt durch die Fraben Rosa und Grau - den Farben des bayrischen Barocks.

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Seinen Namen finden, 2014

Es zeigt eine besondere Begabung, wenn wir uns viele Namen merken und es uns gelingt Menschen aus unserem Umfeld mit ihren Namen ansprechen zu können.
Wenn wir mit Namen angesprochen werden, fühlen wir uns in unserer Individualität „erkannt“, ernst genommen. Wenn jemand uns mit einem falschen Namen anspricht sind wir betroffen, glauben, der Mensch hat uns verwechselt oder sogar als Person vergessen. Wir waren nicht wichtig genug.
Ein Willkommensein mit der ganzen Person, ein sich persönlich angesprochen fühlen, eine persönliche Aufforderung: Du bist gemeint! Niemand hier im Raum heißt so.
Gerade Menschen mit geläufigen Nachnamen geben oft ihren Kindern ungewöhnliche Vornamen – das Individuell sein wollen, das ist nur unser Sohn, unsere Tochter, die so heißt. - Unverwechselbar.
Und dann bemerken wir, dass dem Kind in der Umgebung derselbe Vorname gegeben wurde: Kinder der Zeit, Kinder derselben Generation.
Wir ersehen, aus welchen Jahrgängen die Menschen sind, oft ist die Glaubenszugehörigkeit am Namen abzulesen.
Sichtbar machen. Das erfreute Lesen des eigenen Namens, das erinnern an unsere Vorfahren, wenn wir „alte“ Namen hören. An Verwandte und Bekannte, liebe Verstorbene. Emotionen - geknüpft an Namen.
Das Befremdet sein durch das Buchstabieren von ungewöhnlichen Vornamen.
Was haben diese Namen mit mir zu tun?
Was haben die Namen von jüdischen Bürgerinnen und Bürger Münchens mit uns tun? Die Namen von ermordeten Juden. Die Namen bekommen eine Verbindung zu den Namen der eigenen Verwandten, es werden "Namen dieser Zeit". Für uns Namen der Geschichte.
Wer kennt die Namen der NSU-Mordopfer? Wir hören von den Tätern und kennen nicht die Namen der Opfer.
Was gehen uns die ertrunkenen Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia an? Wer kennt ihre Namen? Namen unserer Zeit.

Die Namen lesen.
Seinen Namen suchen.
Seinen Namen lesen.
Durch den Namen sein.

Igel Im Garten, Rauminstallation 2013 Igel Im Garten, Rauminstallation 2013 Igel Im Garten, Rauminstallation 2013 Igel Im Garten, Rauminstallation 2013

Igel im Garten oder Zettel meiner Mutter, 2013

Die Zettel sind Fundstücke im Haus der Mutter entdeckt: neben dem Telefon, in einer Schubladen, in einer Schachtel oder auf dem Nachtkästchen.
Aufgeschriebenes, als einzige Zeugen eines zeitlichen Ablaufes. Zeugen dafür, dass diese Zeit vorbei ist, dass der Besuch schon dagewesen ist, und dass der Tag heute schon der NEUE ist. Verbergen des schmerzlichen Verlustes.
Ein intelligentes System um das Nachfragen und das Nochmalanrufen zu vermeiden, weil die Erinnerung an die Antwort und das Gespräch verflogen sind.  
Und für uns das Mitgehen auf die Zeiten-Vereinigung: Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart existieren gleichzeitig.

Bild Bild Bild

Installation "Bluttränen", 2010, 340x50 cm, zwei Bahnen, Eitempera auf Papier
Tränen um Leid,
Tränen um Dich
Tränen um mich?
Rot: mit der Farbe geweint.